
{"id":2129,"date":"2017-11-03T07:56:15","date_gmt":"2017-11-03T07:56:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ratinglegis.eu\/?p=2129\/"},"modified":"2017-11-07T09:21:26","modified_gmt":"2017-11-07T09:21:26","slug":"liberty-global-und-was-nun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ratinglegis.eu\/de\/liberty-global-und-was-nun\/","title":{"rendered":"Kommissionsentscheidungen und des Kaisers Weib"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. Oktober 2017 verk\u00fcndete das Europ\u00e4ische Gericht (EuG) ein etwas unerwartetes Urteil in der Rs. <a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=196107&amp;pageIndex=0&amp;doclang=EN&amp;mode=lst&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=598530\">T-394\/15<\/a>: es hob eine <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-14-1123_de.htm\">Kommissionsentscheidung vom 10. Oktober 2014<\/a> auf, welche Liberty Global (ein international, u.a. in den Niederlanden t\u00e4tiger Kabelfernsehanbieter) erlaubte, Ziggo NV (ein niederl\u00e4ndischer Kabelfernsehanbieter) zu \u00fcbernehmen. Warum dieses Urteil? Weil die Kommission unter Versto\u00df gegen <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/de\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:12010E\/TXT&amp;qid=1509368220141&amp;from=EN\">Artikel 296 EUAV<\/a> ihrer Begr\u00fcndungspflicht nicht gen\u00fcgt hat.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger, KPN BV, ein Wettbewerber auf dem Kabelfernsehmarkt, trug vor, die Kommission habe vers\u00e4umt, m\u00f6gliche vertikale Wettbewerbsbeschr\u00e4nkungen durch die \u00dcbernahme auf dem Gro\u00dfhandelsmarkt f\u00fcr Premium-Bezahlfernsehkan\u00e4le, insbesondere f\u00fcr Sportkan\u00e4le, zu pr\u00fcfen. Tats\u00e4chlich lie\u00df die Kommission diesen vorgelagerten Markt beiseite, weil darauf ein Wettbewerber t\u00e4tig war: das schlie\u00dfe gewichtige wettbewerbsrechtliche Bedenken aus.<\/p>\n<p>Das EuG h\u00e4lt diese Begr\u00fcndung f\u00fcr unzureichend und h\u00e4lt mit einer Binsenweisheit dagegen: die Existenz eines Wettbewerbers besagt nichts \u00fcber etwaige Marktmacht Liberty Globals in dem fraglichen Segment. (Rz. 64). Angesichts der Tatsache, dass KPN BV w\u00e4hrend des Verwaltungsverfahrens wiederholt Bedenken hinsichtlich dieses vorgelagerten Marktes f\u00fcr Sportinhalte ge\u00e4u\u00dfert habe, habe die Kommission zumindest erl\u00e4utern m\u00fcssen, warum sie anderer Ansicht sei. Die blo\u00dfe Erw\u00e4hnung eines Wettbewerbers gen\u00fcge nicht dem gesetzlichen Ma\u00dfstab der Begr\u00fcndungspflicht.<\/p>\n<p>Das Urteil hat Seltenheitswert, denn die EU-Gerichte heben Entscheidungen selten wegen Begr\u00fcndungsm\u00e4ngeln auf. Davon abgesehen sind aber auch die Rechtsfolgen interessant. Immerhin ist der Zusammenschluss vollzogen, entbehrt aber jetzt der vorherigen Genehmigung. Offensichtlich k\u00f6nnen wir eine Bu\u00dfe wegen <em><a href=\"http:\/\/ratinglegis.eu\/de\/this-sordid-septic-soul-can-see-youre-under-control-uncontrollably\/\">Gun Jumpings<\/a><\/em> ausschlie\u00dfen, haften doch die Parteien nicht f\u00fcr Fehler der Kommission. Au\u00dferdem sagen wir eine zweite Genehmigungsentscheidung voraus\u2026 (<em>you can call us Sherlock<\/em>). Besteht also Spielraum f\u00fcr Schadensersatzklagen von Wettbewerbern oder Dritten wegen der Auswirkungen der ersten, fehlerhaften Entscheidung auf die betroffenen M\u00e4rkte?<\/p>\n<p>Die Frage ist weniger abwegig als es auf den ersten Blick erscheinen mag. So kann gem\u00e4\u00df der <a href=\"http:\/\/curia.europa.eu\/juris\/showPdf.jsf?docid=99609&amp;doclang=de\">SFIE-Rechtsprechung<\/a> ein Wettbewerber durchaus auf R\u00fcckzahlung einer Beihilfe klagen, welche die Kommission letztendlich f\u00fcr vereinbar mit dem Gemeinsam Markt erkl\u00e4rt, welche der Mitgliedstaat jedoch unter Verletzung der Stillhaltepflicht gem\u00e4\u00df Artikel 103 Absatz 3 TFEU ausgezahlt hat. Mit anderen Worten, die Gerichte k\u00f6nnen einem Unternehmen einen Vorteil nehmen, dessen Gew\u00e4hrung formell aber nicht materiell EU-Recht verletzt, ohne jegliches Zutun des Unternehmens.<\/p>\n<p>Eingedenk des \u201eErfolges\u201c der wohlbekannten <a href=\"https:\/\/dialnet.unirioja.es\/servlet\/articulo?codigo=4110570\">Schneider-Saga<\/a> sind wir allerdings, gelinde gesagt, skeptisch&#8230; so sehr auch der Fehler der Kommission im Falle <em>Liberty Global<\/em> (im Gegensatz zu <em>Schneider<\/em>) verfahrensrechtlicher Natur gewesen sein mag. Keuschheit bedeutet f\u00fcr des Kaisers Weib, \u00fcber jeden Zweifel erhaben zu sein \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. Oktober 2017 verk\u00fcndete das Europ\u00e4ische Gericht (EuG) ein etwas unerwartetes Urteil in der Rs. T-394\/15: es hob eine Kommissionsentscheidung vom 10. 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